Rohkost

Was ist eigentlich Rohkost? Heute denken immer noch viele Menschen an harte Wurzelsalate und in dunkle Schokolade getauchte Trockenfrüchte, wenn sie das Wort „Rohkost“ hören. Dabei entspricht dieses Bild schon lange nicht mehr der modernen Rohkosternährung, die sich über die letzten Jahrzehnte in Europa und den USA entwickelt hat. Die heutige Rohkosternährung wird von vielen jungen Menschen getragen und integriert unterschiedlichste Kochrichtungen- und Stile in eine interessante und vielfältige „Multi-Kulti Küche“.

Der kleinste gemeinsame Nenner jeder rohköstlichen Ernährung ist der äußerst schonende Umgang mit unseren Lebensmitteln. Das heißt zuerst mal möglichst gesunde Lebensmittel, am besten aus dem eigenen Garten oder in Bio-Qualität und aus bekannten Quellen, z.B. regionalen Herstellern. Als allerwichtigstes Merkmal der Rohkost ist die Einhaltung einer maximalen Grenze der Erhitzung anzusehen. Rohkost ist, was nicht mehr als 42 Grad erhitzt wird. Warum? Viele wichtige Stoffe (Enzyme, sekundäre Pflanzenstoffe, Vitamine) gehen ab einer bestimmten Temperatur einfach kaputt oder verlieren wesentliche Eigenschaften – die Lebensmittel werden daher in ihren positiven Eigenschaften für den menschlichen Organismus wesentlich beschränkt. Zusätzlich werden beim Kochen die tollen Mineralien aus den Lebensmitteln ausgeschwemmt.

Welche Auswirkungen haben zu stark erhitzte Lebensmittel auf unseren Organismus. Lass uns das mal anhand der Enzyme beispielhaft betrachten: Ab einer Temperatur von ca. 42 Grad Celsius verändern die Enzyme ihre chemische Struktur – sie denaturieren. Hierbei ist zuerst mal wichtig zu verstehen, dass Enzyme eine grundlegende Rolle im menschlichen Körper spielen. Sie wirken als Katalysator bei fast jedem Stoffwechselprozess mit und sind z.B. unverzichtbar bei der menschlichen Verdauung oder für die optimale Funktion unseres Immunsystems. Enzyme werden vom menschlichen Körper selbst hergestellt und kommen in frischen Lebensmitteln (vor allem in Obst, Gemüse, Nüsse und Sprossen) vor. Enzyme sind somit Verdauungshelfer die bereits in jedem frischen Lebensmittel mitreingepackt sind. So hat z.B. jeder frische Apfel von Haus aus seine speziellen Enzyme mit dabei, die helfen ihn optimal zu verdauen. Das heißt also der Apfel hat eine spezielle Enzym-Mischung, um die in ihm enthaltenen Stoffe wie Fette, Kohlehydrate und Eiweiße aufzuspalten. Wird der Apfel nun zu stark erhitzt werden diese Enzyme beschädigt oder total zerstört (abhängig von der Dauer und Intensität der Hitzeeinwirkung) und unser Körper muss bei der Verdauung des Apfels um vieles mehr arbeiten. Zusätzlich können durch diese Probleme bei der Verdauung wichtige Stoffe des Apfels nicht mehr optimal in unseren Körper aufgenommen werden.

Man sieht also, dass das beste Lebensmittel nicht viel nützt, wenn es durch starke Hitzeeinwirkung in seinen von Natur aus gegebenen Eigenschaften eingeschränkt wird. Die moderne Rohkostbewegung hat dies erkannt und kann durch ganz einfache Mittel, wie z.B. das weglassen von starken Erhitzungsverfahren in der Küche, die sehr nützlichen Eigenschaften unserer Lebensmittel erhalten.

Diese Erkenntnis hat sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Europa entwickelt. Es gab eine kleine Gruppe von meist Ärzten und Wissenschaftler die sich damals darüber Gedanken machten, wie eine optimale Ernährung für unseren Körper auszusehen hat. Dafür wagten einige sogar einen Blick ins Tierreich – deren  Fazit war und ist (noch immer): Auch Tiere essen eigentlich nur Rohkost.

Vor allem Länder wie die Schweiz, Deutschland und Österreich waren führend in der Entwicklung einer auf den Menschen optimal ausgerichtete Ernährung. Visionäre wie Bircher-Benner, Preuß, Bruker haben in dieser Zeit grundlegende Erkenntnisse und Erfahrungen über Rohkosternährung gesammelt und bereits damals als „unheilbar“ geltende Menschen wieder geheilt – mit ganz einfachen Methoden, wie z.B. dem Vermeiden von zu starkem Erhitzen von Nahrung. Wie so oft geriet dieses Wissen wieder in Vergessenheit und wurde viel später in den USA wieder aufgegriffen, das war die Geburtsstunde der modernen Rohkostbewegung. Ausgehend von Kalifornien, einem Teil der USA in dem die Menschen bekanntlich viel Wert auf ihr Äußeres, ihre Fitness und Gesundheit legen, kamen diese Ideen wieder zurück zu uns nach Europa.

Heute ist die Rohkost schon teilweise im Mainstream angekommen. Grüne Smoothies kennen heutzutage schon sehr viele Menschen – das ist nichts anderes als ein Teil der modernen Rohkostküche. „No-Bake Cakes“ sind auch schon einem größeren Teil der Bevölkerung bekannt. Sogar in den großen und bekannten Frauen-Magazinen sind heute immer wieder Rezepte für Rohkost-Torten abgedruckt. Auch Gemüse-Spaghetti (hauptsächlich aus Zucchini) hat sicher schon jeder mal zumindest gesehen. Und das alles hat vor so ca. hundert Jahren bei uns in Mitteleuropa begonnen und ist nun mit hunderten von super-leckeren Rezepten und Gerichten Teil unserer modernen Esskultur geworden. Wer's nicht glaubt soll doch mal in YouTube einfach nur Rohkost eingeben und ein paar von den Rezepten dort selbst versuchen.

Rohkost kann viele der typischen Zivilisationskrankheiten bekämpfen, sogar noch effizienter als eine gesunde pflanzenbasierte Ernährungsform mit Kochkost: Bluthochdruck, Adipositas, Diabetes, Krebs, Allergien, Neurodermitis, Migräne, Verdauungsprobleme, schlechte(r) Nägel / Haare / Haut / Atem.

Rohkost macht viel Spaß und bietet eine große Vielfalt an interessanten Geschmacksvarianten. Rohkost hilft die Umwelt zu schützen. Rohkosternährung wird auch vegetarisch aber heutzutage vor allem vegan praktiziert, was dann oft "rohvegan" genannt wird. Wer sich für einen modernen Lebensstil entscheidet sollte auf jeden Fall zumindest das eine oder andere Rohkostrezept in seinen täglichen Speiseplan integrieren – der Versuch lohnt sich alle mal und der Körper freut sich über die extra Nährstoffration. Insgesamt bieten der vegane Lebensstil und die moderne rohköstliche Ernährungsform der gesamten Menscheit große Chancen auf dem Weg in eine bessere Zukunft ohne Krankheit, Tierleid, Umweltzerstörung und Hunger.

Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel spiegelt Wissen und persönliche Erfahrungen aus 14 Jahren rohveganer Ernährung wider. ELLi COMELLi ist geprüfte Ernährungsberaterin und ist auf eine rohvegane Lebensweise spezialisiert.

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