Körpersignale

Oft stellt sich die Frage welche Nahrungsmittel für einen selbst ganz individuell die richtigen sind. Im Internet, in TV-Beitragen, in Magazinen und sogar in spezieller Fachliteratur werden zum Thema Ernährung im Normalfall nur ganz verallgemeinerte Aussagen getroffen. Diese Aussagen sind von vornherein nicht als falsch oder irgendwie schlecht anzusehen, haben aber einen ganz entscheidenden Nachteil: Sie berücksichtigen nicht die ganz individuelle Situation eines jeden einzelnen. So kann der eine gerade unter großem psychischen Stress stehen und der Körper verbraucht daher mehr Vitamin C und B-Vitamine, während jemand der ganz entspannt im Urlaub in der Sonne am Strand relaxt überhaupt keinen hohen Bedarf davon hat. Eine schwangere Mutter an einem kalten Wintertag in der Großstadt braucht eventuell ganz andere Stoffe für ihr ungeborenes Kind und ihren eigenen Körper als eine ebenso schwangere Frau in der Karibik.

Aber wie kann man nun unkompliziert und möglichst jederzeit an die Informationen kommen, was der eigene Körper gerade benötigt? Ganz einfach, wir machen das wofür die Evolution unseren Körper vorbereitet hat – wir horchen auf uns selbst. Ausgehend von einer gesunden Ernährung kann man folgenden Mechanismus, der in uns von Haus aus „eingebaut“ ist, leicht nutzen: Lenkt man seinen eigenen Körper nicht ständig durch die Zufuhr von „Giftstoffen“ und „leeren Kalorien“ ab, so wird er einem von ganz alleine melden was er gerade braucht. Man bekommt mit der Zeit also immer öfter ganz von alleine Lust auf gesunde Lebensmittel, die Nährstoffe enthalten, die der eigene Körper gerade benötigt. Zum Beispiel passiert das, wenn man begonnen hat seinen Konsum an Lebensmitteln die viel Transfette und raffinierten Industriezucker enthalten schrittweise immer stärker einzuschränken. Einen Effekt den dann viele Menschen ganz automatisch eines Tages plötzlich erleben ist, dass Sie richtig Lust auf einen frischen saftigen Apfel oder eine Banane bekommen. Auch Menschen die zuvor Avocado überhaupt nicht leiden konnten oder bestenfalls als neutral eingestuft haben, werden durch so einen Effekt ganz von alleine und ohne zwanghaften Druck zu Avocado-Liebhabern.

Die Grundidee und sehr zu empfehlende Vorgehensweise ist also vom Zwang gesunde Lebensmittel „essen zu müssen“ Abstand zu nehmen. Niemand sollte sich zum Konsum eines Apfels, einer Banane oder einer Avocado in irgendeiner Art und Weise gezwungen sehen. Vielmehr sollte man genau den anderen Weg beschreiten und zu aller erst bekannte ungesunde Lebensmittel nicht mehr seinem Körper verabreichen. Alsdann wird der eigene Körper seinen von Haus aus eingebauten Mechanismus zum Melden von benötigten Nährstoffen schrittweise in Gang setzten können.

Die Folge dieser Vorgehensweise ist eine sich selbstverstärkende Aufwärtsspirale, die uns ganz von selbst immer mehr in die Richtung einer individuell optimalen Ernährung lenkt. Wir werden ohne größere Probleme sehr ungesunde Dinge in unserem Speiseplan weglassen können und vermehrt für uns extrem wichtige Lebensmittel mit Genuss und Freude aufnehmen können.

Wichtig zu verstehen ist bei all diesen Dingen jedoch auch folgendes: Dieser Prozess ist jederzeit reversibel. Das heißt konkret, genauso wie man den Körper ganz leicht auf gesunde Ernährung hin „trainieren“ kann, ist es leider auch möglich den Körper auch wieder auf die ungesunden Produkte hin einzustellen – einfach nur durch Konsum dieser. Dazu kommt, dass ungesunde Lebensmittel schlecht mit gesunden „zusammenpassen“. So hat man wenn man z.B. wenn man ein Hotdog isst eher Lust Pommes dazu zu essen, als eine frische Tomate oder ein paar aufgeschnittene Gurkenstücke. Lässt man die gesunden Lebensmittel wie die Tomate, die Gurke, den Apfel, die Banane und die Avocado weg, isst stattdessen Unmengen von stark gezuckerten und frittierten Fertig-Lebensmitteln, dann stoppt der oben beschriebene eingebaute Melde-Mechanismus in uns relativ schnell. Die Folge davon ist eine sich selbstverstärkende Abwärtsspirale in der wir immer stärker auf Fastfood, stark Fettiges und Gezuckertes zurückgreifen – so wie ein Süchtiger. Genau das passiert gerade mit vielen Menschen in den „hoch“-entwickelten Ländern. Sie verzehren immer mehr Fleisch, Zucker, raffinierte Fette alle möglichen industriellen Zusatzstoffe. Sogenannte Zivilisationskrankheiten sind die Konsequenz daraus und sollten eigentlich „falsche Ernährungs“-Krankheiten genannt werden.

O.k., du willst jetzt also diesen positiven Effekt für dich nutzen. Wie genau sollte man vorgehen und was kann diesen Effekt maximal unterstützen? Eigentlich ist es wirklich ganz einfach: Ganz genauso wie oben beschrieben lässt man schrittweise und ohne zu großen Zwang an der ein oder anderen Stelle am Tag in seinem Speiseplan ganz bewusst ein offensichtlich ungesundes Lebensmittel weg. Zum Beispiel gibt’ s halt mal nichts mit raffiniertem Zucker oder man läßt die frittierten Dinge weg. Wenn man versteht, dass man nun den Grundstein dafür gelegt hat diesen positiven Meldemechanismus in seinem Körper in Gang zu setzen, wird es einem auch gar nicht so schwer fallen das zu tun. Weiter geht’ s an einem selbstgewählten anderen Tag wo man halt wieder was weglässt - statt einem industriell hergestelltem Fertigdessert kann man dann zum Beispiel einen selbstgemachten Fruchtsalat (möglichst natürlich oder gar nicht gesüßt – abhängig von der Qualität der Früchte) genießen.

Und so geht’ s dann in Baby-Steps voran, immer in seiner persönlichen Geschwindigkeit und nach persönlicher Lust und Laune. Es wird dann ganz von alleine der eigene Speiseplan automatisch viel reichhaltiger werden, es wird das eigene Bewusstsein für gesunde und ungesunde Lebensmittel automatisch geschärft werden, man wird von sich aus immer gesünder essen wollen und die neue Ernährung wird einem viel Spaß bereiten. Durch diese Freude am „neuen“ Essen werden immer weniger ungesunde industriell gefertigte Lebensmittel und immer mehr frische und sehr wenig verarbeitete Lebensmittel konsumiert und irgendwann wird der automatische Meldemechanismus anspringen und das Ganze noch mehr beschleunigen.

Wie merkt man nun, könnte man sich fragen, wenn man diese Vorgehensweise schon eine Weile lang betrieben hat, ob der Meldemechanismus im eigenen Körper nun schon verläßlich arbeitet? Das geht recht leicht, durch ein wenig Selbstbeobachtung. Ein ganz typisches Zeichen, dass der Körper schon damit begonnen hat mit uns zu sprechen ist, dass einem an einem Tag z.B. richtig die Lust auf eine handvoll Macadamia-Nüsse packt. Hat man die gegessen, kann es oft vorkommen (und das ist ein typisches Zeichen für den Melde-Mechanismus), dass man am nächsten Tag überhaupt keine Lust auf Macadamias mehr hat, dafür aber einen richtigen Appetit auf einen knackig-frischen Eichblatt-Salat mit ein paar Datteltomaten und einer frischen kleinen Zwiebel drin. Und so geht’ s dann die ganze Zeit weiter, ständig entstehen Bilder im Kopf von gesundem, lustig-buntem Essen – ganz oft sind das dann Bilder von frischem Obst und Gemüse, Nüssen usw., also richtig gesunder pflanzlicher Nahrung. Der Körper meldet, wir geben ihm was er verlangt und das Essen von gesunder Nahrung macht uns viel Spaß - so geht's.

Ganz wichtig dabei ist, dass wir qualitativ sehr hochwertige Lebensmittel benötigen, die noch möglichst viele von ihren natürlich enthaltenen Vitaminen, Spurenelementen, Mineralien, Enzymen, sekundären Pflanzenstoffe usw. - also alle Mikronährstoffe - enthalten. Nur so kann der Körper mit der Zeit den zugeführten Lebensmitteln in unserem Kopf die entsprechenden Inhaltsstoffe zuordnen und dadurch automatisch melden ob wir mehr Lust auf eine Möhre oder doch eine frische Feige haben. Zu stark erhitzte, verarbeitete oder umgewandelte Lebensmittel behindern diese Zuordnung im eigenen Kopf oft sehr stark, auch dadurch dass diese ungenaue oder gar falsche Informationen senden. Stark erhitzte oder frittierte Speisen setzen zum Beispiel Röstaromen frei, die uns durch den Geschmack Dinge vortäuschen, die so gar nicht im Lebensmittel enthalten sind – viel besser ist die frische und hoffentlich reife Mango mit all ihren natürlichen Aromen, die eine Super-Geschmacksexplosion im Mund verursachen und gleichzeitig dem Kopf die nötigen Informationen für später liefern.

Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel spiegelt Wissen und persönliche Erfahrungen aus 14 Jahren rohveganer Ernährung wider. ELLi COMELLi ist geprüfte Ernährungsberaterin und ist auf eine rohvegane Lebensweise spezialisiert.

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