Datteln

Dattelpalmen sind alt – nein uralt! Funde legen nahe, dass sie schon seit 8000 Jahren kultiviert werden. Nur die weiblichen Dattelpalmen tragen alle 2 Jahre etwa 100kg Früchte - die männlichen Palmen werden für die Bestäubung benötigt. In den Ländern des Nahen Ostens und Nordafrikas gehören Datteln zu den Grundnahrungsmitteln. Aus der Küche sind sie nicht wegzudenken – auch nicht aus den tollen Basaren und Märkten, wo Sie in zig verschiedenen Sorten angeboten werden. Über 300 Dattelsorten sind bekannt und sie können unterschiedlicher nicht sein. Bei uns kennt man Datteln ja als zuckersüße Variante, meist mit karamelligem Aroma. Es gibt aber auch Datteln die nur eine sehr dezente Süße haben und sogar einen brotähnlichen Geschmack aufweisen können. In ihrer Konsistenz unterscheiden sich die verschiedenen Dattelsorten auch sehr stark von einander. Auf den landestypischen Märkten findet man weich zerfließende, angenehm knackige oder steinharte Datteln. Auch in ihrer Farbe unterscheiden sich die Datteln enorm - von beige bis tiefschwarz reicht ihr Repertoire - ein Genuss für die Augen und den Gaumen:-).

Wieso ist die Dattel in den Ländern des Nahen Ostens und Nordafrikas nun so wichtig? Die Dattelpalme hat in diesen Ländern eine hohe wirtschaftliche Bedeutung, denn nicht nur die Dattelfrucht, sondern auch die Palme selbst wird z.B. als Baumaterial verwendet. Abgesehen vom tollen Geschmack der Dattelfrucht sind die vielen gesundheitsfördernden Nährstoffe für Ihren wichtigen Stellenwert in der Ernährung verantwortlich. Auch ihr hoher Gehalt an Kohlenhydraten macht sie zu einem wichtigen Lebensmittel, weil die Dattelfrucht dadurch zu einem optimalen Energielieferant wird.

Besonders wir Frauen erliegen ja oft der Versuchung des Süßen – bei der Dattel ist das aber überhaupt nicht schlimm, sondern im Gegenteil. Als Ernährungsberaterin kann ich allen den täglichen Verzehr von ein paar Datteln wirklich empfehlen. Datteln haben eine optimale Nährstoffverteilung – wenig Fett und Eiweiß, dafür viele Kohlenhydrate, Ballaststoffe und wichtige Mikronährstoffe wie Vitamine, Mineralien und eine Vielzahl von sekundären Pflanzenstoffen.

Als Ernährungsberaterin werde ich oft gefragt, welche Lebensmittel besonders gesund oder besonders reich an guten Inhaltsstoffen sind. Meine Antwort lautet dann immer: Alle pflanzlichen Lebensmittel! – und alle am besten frisch konsumiert! Voraussetzung für die Fülle an Inhaltsstoffen ist jedoch, dass die Lebensmittel nicht mit irgendwelchen Spritzmitteln verseucht, stark verarbeitet oder erhitzt worden sind. Auch beim Kauf von Datteln sollte man auf ein paar Punkte achten. So empfehle ich nur auf ungeschwefelte und ungesüßte Bio-Produkte zurückgreifen - konventionelle Früchte werden oft mit Brommethan begast, um sie vor Schädlingen zu schützen. Brommethan ist giftig, schädigt das zentrale Nervensystem und ist in Deutschland verboten. Wenn möglich ist auch immer die Variante in Rohkostqualität zu bevorzugen, den diese werden nicht wie oft üblich mit Wasserdampf behandelt, und man kann sicher sein, dass noch alle Nährstoffe komplett enthalten sind.

Im Allgemeinen sehe ich nicht viel Sinn in einer detaillierten Auflistung von allen Inhaltsstoffen eines Lebensmittels, weil sowieso kein Mensch die Zeit oder die Möglichkeit hat, sich die täglich benötigte Menge auszurechnen. Viel wichtiger ist es, so vielfältig wie möglich zu essen, weil in jeder Frucht oder in jedem Gemüse andere Nährstoff-Kombinationen vorhanden sind. Es gibt aber ein paar Ausnahmen - zum Beispiel die Dattel. Sie ist meiner Ansicht nach noch etwas gesünder als der Rest der eh schon gesunden pflanzlichen Lebensmittel.

Die Dattel verdient deshalb eine nähere Betrachtung. Für uns Frauen, besonders wenn man sich vegan ernährt, ist die Zufuhr von ausreichend Eisen ein wichtiger Faktor den man nicht vernachlässigen sollte. Datteln sind hier eine gute Quelle, denn sie enthalten fast 2 mg Eisen pro 100g Datteln – sogar mehr als Oliven. Für Früchte ist das wirklich viel. Eine Dattel wiegt je nach Sorte ca. 10-20g. Frauen benötigen im Schnitt täglich 10mg Eisen – mit nur 10 kleinen Datteln können wir unseren Eisenbedarf schon zu knapp 20 Prozent decken!

Nennenswert ist weiters die Aminosäure Tryptophan, die in der Dattel enthalten ist. Aus dieser kann der Körper u.a. Melatonin und das Glückshormon Serotonin bilden. Das Hormon Melatonin ist ja bekanntlich für den Tag-Nacht-Rhythmus wichtig. Wenn es dunkel wird, fängt der Körper an Melatonin auszuschütten und bereitet so den Körper auf den Schlaf vor. So macht der Tipp der älteren Generation, Datteln vor dem Schlafen gehen zu essen, sogar Sinn.

Mit den großen Mengen an Ballaststoffen in der Dattel können wir zwar nichts anfangen, aber die Bakterien in unserem Darm umso mehr. Sie sind auf die Zufuhr von Ballaststoffen angewiesen um sich wohl zu fühlen, zu wachsen und somit eine optimale Darmflora (auch Mikrobiom genannt) zu bilden.

Äußerst interessant finde ich die Vielzahl an wissenschaftlichen Studien, die die positive Wirkung der Dattelfrucht auf unseren Körper aufzeigen. So wurden in der Dattel große Mengen von zehn verschiedenen Mineralstoffen (u.a. Selen, Kupfer, Kalium und Magnesium) nachgewiesen, so dass der Verzehr von 100g Datteln schon über 15% unseres täglichen Bedarfs davon decken kann. In den letzten Jahren haben viele Studien auch eine Vielzahl an sekundären Pflanzenstoffen, wie Carotinoide, Phenole, Flavonoide, Lignane, Tannine und Sterole in der Dattel identifiziert. Sekundäre Pflanzenstoffe sind aus meiner Sicht eines der wichtigsten Faktoren zur Erhaltung der Gesundheit. Es gibt hunderte dieser Stoffe und nur ein Bruchteil davon sind schon erforscht. Die sekundären Pflanzenstoffe in der Dattelfrucht haben unter anderem eine stark antioxidative Wirkung, können das Cholesterin senken, helfen Diabetes, kardiovaskuläre Erkrankungen und Krebs vorzubeugen, haben antiinflamatorische Eigenschaften und helfen bei neurodegenerativen Erkrankungen. Wegen der gesundheitsfördernden Eigenschaften der sekundären Pflanzenstoffe, im Englischen phytochemicals genannt, werden noch viele Studien auch über die Dattel in Zukunft erwartet. Was man jetzt schon sagen kann ist, dass die Menge und Zusammensetzung der sekundären Pflanzenstoffe in Datteln u. a. abhängig von der Dattelsorte, dem Reifungsgrad, aber auch von der Lagerung oder der Verarbeitung ist.

Vielleicht hat es mit dem fast schon biblischen Alter der Dattelpalme zu tun, dass unser Körper bestens auf die Dattelfrucht abgestimmt ist oder mit den harten Umweltbedingungen wie Wind, Hitze, Kälte und Nährstoffmangel, denen sie ständig ausgesetzt ist. Wer weiß... Tatsache ist, sie hat einen enorm günstigen Einfluss auf unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit und durch Ihre enorme Nährstoffdichte könnte man sich rein theoretisch, für einen längeren Zeitraum nur von Datteln und Wasser ernähren ohne einen Mangel zu entwickeln – ein wirkliches Superfood!

Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel spiegelt Wissen und persönliche Erfahrungen aus 14 Jahren rohveganer Ernährung wider. ELLi COMELLi ist geprüfte Ernährungsberaterin und ist auf eine rohvegane Lebensweise spezialisiert.

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